Rechtsnews 20.05.2021 Christian R.

Erheblicher Anstieg an Diskriminierungsanfragen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes meldete in ihrem Jahresbericht einen erheblichen Anstieg an Diskriminierungsanfragen für das Jahr 2020. Sie ist eine unabhängige Stelle des Bundes und befasst sich mit Forschung, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit, wenn es um die Benachteiligung von Menschen geht. Sie sollen ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, Geschlechts, sexueller Identität, Behinderung oder ihres Alters vor Diskriminierung geschützt werden. Der aktuelle Jahresbericht über 2020 zeigt auf, dass die Diskriminierungsanfragen so hoch waren wie noch nie. Die Kontaktanfragen ergingen diesmal insbesondere aus rassistischen und pandemiebedingten Gründen.

Anschläge und Proteste führten zu erhöhten Anfragen wegen Ungleichbehandlung

Während 2019 noch 3580 Nachfragen bei der Einrichtung eingingen, lag die Anzahl 2020 bei 6383 Fällen. Davon ging es bei 2101 Anfragen um Erfahrungen mit Rassismus. Solche Beschwerden haben sich seit dem Anschlag von Hanau und der „Black-Lives-Matter-Bewegung“ verstärkt. Außerdem beschreibt die Anlaufstelle einen „Sondereffekt“, der im Zusammenhang mit der Corona Pandemie steht. Dazu sind 1904 Anfragen ergangen, wobei es im Kern um die Maskenpflicht ging. In solchen Fällen akzeptierten „Pandemie-Leugner“ nicht, dass behinderte Menschen auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verzichten mussten. Die Kritiker schafften sich fragwürdige Atteste, an mit der Folge, dass Geschäfte das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung pauschal und bedingungslos für jeden anordneten. Insgesamt sei das gesellschaftliche Bewusstsein in Sachen Diskriminierung aber gestiegen.

Einstellung telefonischer Diskriminierungshilfe wegen zu hoher Nachfrage

Wegen des hohen Andrangs musste die telefonische Hilfe zunächst eingestellt werden. Aktuell kann nur per Beratungsformular nach Hilfe gefragt werden. Der kommissarische Leiter Bernhard Franke meinte dazu: „Einen derart drastischen Anstieg der Beratungsanfragen haben wir noch nie erlebt. Der Trend der Zunahme insbesondere von Beschwerden rassistischer Diskriminierungen hat sich im Jahr des schrecklichen Anschlags von Hanau und der Black-Lives-Matter-Proteste noch einmal verstärkt. Zugleich erleben wir einen besonderen Effekt der Corona-Pandemie, die mit einem weiteren Anstieg der Beratungsanfragen einherging. Vielen anderen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Antidiskriminierungsstellen ging es ähnlich. Das führte dazu, dass wir unsere telefonische Beratung wegen der hohen Zahl der Anfragen vorläufig einstellen mussten – Ratsuchende können sich derzeit nur über unser Beratungsformular oder schriftlich an uns wenden. Wir beobachten ein gestiegenes gesellschaftliches Bewusstsein für Diskriminierung. Immer mehr Menschen suchen sich aktiv qualifizierte Beratung.“

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Quellen und Links:

https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Aktuelles/DE/2021/20210511_Jahresbericht_2020.html

https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-05/diskriminierung-jahresbericht-2020-antidiskriminerungsstelle-rassismus-minderheiten

 

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