Rechtsnews 22.09.2016 Raphaela Nicola

Transsexualität in Kolumbien

Die katholische Kirche im südamerikanischen Kolumbien beharrt auf traditionelle Geschlechterrollen. Derzeit wird über eine 17-jährige Schülerin, die physiologisch als Junge geboren wurde, stark diskutiert.

Welcher Fall liegt hier vor?

Sie habe sich immer als Frau gefühlt. In dem südamerikanischen Land ist Gabriele Espinosa die erste Transfrau, der es erlaubt ist, in Mädchen-Schuluniform den Unterricht zu besuchen. „Seit ich klein war, habe ich mich in einem Körper gefühlt, der nicht meiner war“, sagt Gabriela. In der nordkolumbianischen Region Bolívar besucht sie eine öffentliche Schule. Sie habe mit zwölf Jahren ihrer Mutter erzählt, sie würde Männer mögen. Vor zwei Jahren legte sie dann ihren männlichen Vornamen Jhon Janer Quintero ab. In ihrer Freizeit begann sie vor einem Jahr, sich als Frau anzuziehen. Deshalb bat ihre Mutter darum, dass sie auch in der Schule als Mädchen erscheinen dürfe. Also in Faltenrock und Bluse. Geschlechtsspezifische Uniformen für Jungen und Mädchen sind in Kolumbien die Regel. Zuerst trug Gabriela nur die neutrale Sportuniform der Mädchen, später dann auch den Rock. Nach Auffassung des Direktors der Schule, sei die Akzeptanz sehr groß gewesen. „Die Jugendlichen haben sie mit einer großen Selbstverständlichkeit akzeptiert.“ Eltern und Lehrer, die mit der Entscheidung nicht einverstanden seien, würden sie ebenfalls respektieren.

Abweichen von traditionellen Geschlechterrollen

Geschlechterrollen, die vom klassischen Frau-Mann-Schema abweichen, sorgen im traditionell-katholisch geprägten Kolumbien für besonders große Diskussionen. Mitten in eine öffentliche Debatte zur Ausrichtung des Sexualkundeunterrichts fiel die Entscheidung des Direktorats. Tausende Kolumbianer waren Anfang August einem Aufruf der katholischen Kirche gefolgt, die „Familie öffentlich zu verteidigen“. Gegen die Pläne der Regierung, sexuelle Diskriminierung an Schulen zu bekämpfen, demonstrieren sie in den größeren Städten. Besonders störten sich die die Demonstranten an einem Aufklärungskonzept, welches das Bundesministerium gemeinsamen mit den Vereinten Nationen erarbeitet hatte. Dieses sieht vor, unter anderem auch Homo-, Bi- und Transsexualität im Unterricht zu behandeln. Die Gegner sind der Auffassung, dass das Konzept die sexuellen Orientierungen befördern würde. Die Regierung entschied sich am Ende gegen die Veröffentlichung des Dokuments. Der Suizid des 16-jährigen Serrio Urrego hat 2014 im Land für Aufmerksamkeit gesorgt. Der homosexuelle Schüler schrieb in mehreren Abschiedsbriefen, dass er sich auch vom Personal seiner katholischen Privatschule diskriminiert gefühlt habe.
Quelle:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/transsexualitaet-in-kolumbien-das-recht-auf-rock-a-1109793.html

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